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„Der
Familienrat bietet ein
ganzes Instrumentarium, um
die Familie demokratisch an der
Lösung gemeinsamer Probleme
und Aufgaben zu beteiligen.“
Rudolf Dreikurs |
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| Der Familienrat:
Praxis |
Familienalltag
„Steh jetzt endlich auf, Du kommst sonst noch zu spät
zur Schule!“ - Am Morgen.
„Geh jetzt endlich ins Bett! Morgen kommst Du wieder
nicht raus.“ - Am Abend.
Dazwischen geht es darum, ob die Jacke warm genug, das Essen gesund
genug, die Erledigung
der Hausaufgaben sorgfältig genug usw. ist. Die Liste ließe
sich beliebig verlängern. Ein Machtkampf.
Morgens, abends und dazwischen. Und das, obgleich sich diese Menschen
lieben.
Ein ständiger Machtkampf. Warum
und wozu?
Aus Elternsicht:
Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung glauben Eltern zu wissen, was
gut ist für ihre Kinder. Sie wünschen
ihnen nur das Beste, möchten ihnen Kummer und Leid ersparen
und den Weg ebnen für ein
glückliches Leben.
Sie machen ihren Kindern viele Angebote und sind enttäuscht,
wenn die Angebote nicht angenommen
werden. Immer wieder bekommen sie von ihren Kindern nur ein „Nein!“ zu
hören. Und das
schon von 2-Jährigen.
Aus Kindersicht:
Die Kinder haben natürlich weniger Lebenserfahrung, in vielem
sind sie auf die Eltern angewiesen,
auf deren Liebe und Fürsorge. Einerseits. Aber sie sind auch
kompetente eigenständige kleine Wesen,
die neugierig sind auf die Welt und am liebsten alles selbst entdecken
wollen. Ein „Nein“ ist aus
Sicht des Kindes dann nur logisch.
Kinder lernen die Spielregeln von den Eltern. Wenn die Eltern Macht
haben, werden die Kinder auch
versuchen, Macht zu bekommen. Dabei sind sie ausgesprochen phantasievoll
und das morgendliche
Nicht-Aufstehen ist tatsächlich nur der Anfang. Der Anfang
eines Machtkampfes, der bei dem
Zubettgehen-Streik nur unterbrochen, aber nicht zu Ende ist.
Was kann man anders machen? Und wie?
„... gerade, klare Menschen sind ein schönes
Ziel“
... sang Bettina Wegener in den 80ern. Das Lied hatte so einen
großen Erfolg, dass es noch heute
bekannt ist. Nicht nur, weil die Melodie so eingängig ist,
sondern auch, weil es eine Haltung zum
Ausdruck bringt, die besagt: Geht mit den Kindern achtsam und respektvoll
um, dann werden sie
zu geraden, klaren Menschen. Gerade, klare Menschen. Nichts anderes
wünschen wir uns. Für uns
selbst und für unser Gegenüber.
Der Familienrat ist eine erprobte Methode, mit Kindern respektvoll
umzugehen - aber nicht nur mit
den Kindern, sondern mit allen Mitgliedern einer Gruppe. Er basiert
auf der Grundüberzeugung der
Individualpsychologie: Alle Menschen sind gleichwertig.
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Merkmale eines Familienrates
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Gleichwertigkeit aller
Mitglieder
Gleichwertigkeit ist unabhängig von Alter und
Stellung in der Familie. |
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Gegenseitige Achtung
Jeder Beitrag ist es wert, gehört zu werden. |
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Blick auf das Positive
Das, was gelingt in der Familie, ist wichtiger als
das, was schief geht. |
| ► |
Regelmäßigkeit
Fest vereinbarter Termin, zu dem jeder Zeit hat, ohne
auf etwas zu verzichten,
z.B. sonntags nach dem Frühstück. |
| ► |
Gemeinsam vereinbarte Regeln
Jede Familie legt die Regeln gemeinsam fest und diese
gelten für alle in gleicher Weise. |
| ► |
Gemeinsame Beratung
Jeder kann einen Vorschlag machen und seine Meinung
zu den Vorschlägen der
anderen äußern. |
| ► |
Gemeinsame Entscheidung
Jeder soll an dem Zustandekommen einer Entscheidung
mitwirken. Die Entscheidung
sollte nach Möglichkeit einstimmig sein. |
| ► |
Wechselnde Verantwortung
Bei jedem Familienrat-Treffen gibt es einen Vorsitzenden
und einen Protokollführer.
Diese Aufgaben sollen regelmäßig wechseln. |
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Regeln und Leitlinien für
den Familienrat
| ► |
Erweiterte Familien
In manchen Familien leben auch Großeltern oder
sonstige Verwandte. Alle gehören
zur Gemeinschaft und sollen am Familienrat teilnehmen.
Es wird niemand zur
Teilnahme gezwungen, aber die Beschlüsse gelten
für alle. |
| ► |
Regelmäßige
Treffen
Die Abstände zwischen den Treffen sollen gleich
beim ersten Mal beschlossen
werden. Dreikurs empfahl, sich einmal in der Woche
zu treffen. Doch wenn dies
aus irgendeinem Grund schwierig ist, kann der Abstand
auch größer sein. Die Beschlüsse
eines Treffens sollen mindestens bis zum nächsten
Treffen eingehalten
werden. |
| ► |
Tagesordnung
Der Familienrat soll eine klare Struktur haben mit
einer Tagesordnung - selbst
wenn es nur 2 Punkte sind wie „Wichtiges aus
der vergangenen Woche - Wichtiges
in der nächsten Woche.“ |
| ► |
Leitung des Familienrates
Jeweils ein Mitglied soll im Wechsel die Leitung der
Treffen übernehmen. Dies
können auch bereits Kinder im Schulalter sein.
Die Leitung ist verantwortlich dafür,
dass die Regeln eingehalten werden. |
| ► |
Protokollführer
Jeweils ein Mitglied soll im Wechsel das Protokoll
führen. Hier werden die Ergebnisse
jeder Beratung festgehalten. Das Protokollbuch kann
ein dickes Heft sein,
das die Familie über mehrere Jahre begleitet.
So entsteht ganz nebenbei eine
Familienbiographie. |
| ► |
Ermutigung
Jedes Treffen beginnt mit einer Ermutigungs- oder Komplimentenrunde. |
| ► |
Nicht unterbrechen
Jedes Mitglied darf ausreden. Diese Regel ist sehr
wichtig und der Leiter bzw. die
Leiterin achtet besonders darauf, dass diese Regel
eingehalten wird. |
| ► |
Freie Kommunikation
Jedes Mitglied darf so sprechen, wie es möchte.
Provozierend, emotionsgeladen,
gelangweilt, jedoch nicht beleidigend. Dies wird nicht
zum Thema gemacht, auch
nicht nach der Familienrat-Sitzung. Das Dabeisein zählt. |
| ► |
Offenes Forum
Man darf über alle Themen sprechen, die alle in
der Familie betreffen. Es gibt
keine Zensur. |
| ► |
Gemeinsame
Beschlüsse
Eine Entscheidung kann nur für alle gelten, wenn
alle zugestimmt haben. Gelingt
dies nicht, soll sich jeder bis zum nächsten Treffen
so verhalten, wie er es für richtig
hält. Mehrheitsbeschlüsse sind für den
Familienrat nicht geeignet, weil sie die
Minderheit ins Unrecht setzen. |
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Hinweis
Diese Regeln sind ein Grundgerüst,
mit dem eine Familie anfangen kann. Der Anfang ist immer eine
Experimentierphase, in der sich zeigt, ob eine Familie alle diese
Regeln braucht oder auch welche
hinzufügen muss.
Noch ein Tipp
Lassen Sie sich bei der Einführung des Familienrates von Schwierigkeiten
nicht abschrecken. Diese
sind bald überwunden und jede Familie, die den Familienrat
eingeführt hat, bestätigt: Es lohnt sich!
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Was kann eine Familie mit dem Familienrat erreichen?
1. Der Familienrat verbessert die Beziehungen in der Familie
Der Familienrat fördert ein kooperatives Klima, in dem jedes
Mitglied ein Gefühl für den eigenen
Wert hat. „
Aus Missklang kann Harmonie werden, aus Ärger
Hoffnung, aus Entmutigung Ermutigung,
aus Gleichgültigkeit Engagement.“ Rudolf Dreikurs
2. Der Familienrat erleichtert die Arbeit, die in der Familie erledigt
werden muss.
Wenn offen darüber geredet wird, welche Arbeiten in einer
Familie anfallen und die Verantwortung
dafür geteilt wird, werden diese Arbeiten schneller und effektiver
erledigt. Gleichwertigkeit in der
Familie führt dazu, dass sich alle für das Funktionieren
der Familie zuständig fühlen. „Unangenehme
Pflichten werden im Wechsel erledigt, so dass sie nicht dauernd
an einem Familienmitglied hängen.
Die Zänkerei hört auf, der Umgangston wird freundlicher.“ Rudolf Dreikurs
3. Kinder lernen, sich auszudrücken und Konflikte mit Worten
zu lösen.
Der Familienrat stärkt das Selbstvertrauen der Kinder und
macht sie fit für die Zukunft.
Lust auf Familienrat auch in Ihrer Familie?
Einfach ausprobieren. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an einer
der ausgebildeten
Familienrat-TrainerInnen.
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